Antisemitismus in der Schule
Case Management Strategien und Empfehlungen für Schulmanagement und Lehrpersonen
Ebenso wie andere Formen von Diskriminierung, Gewalt und Hassrede ist auch Antisemitismus an der Schule ein Problem, das Schüler:innen, Lehrpersonen und Schulleitungen vor große Herausforderungen stellt. Diese Website möchte Lehrpersonen und Schulleiter:innen aller Schultypen praxistaugliche Anregungen für den Umgang mit antisemitischen Vorfällen bieten. Der Fokus auf Antisemitismus ist dabei den Besonderheiten dieses Ressentiments und seiner Äußerungsformen geschuldet, die teils spezifische Strategien erforderlich machen. Ohne Zweifel ist es sinnvoll und im Sinne einer diskriminierungssensiblen Schule notwendig, vergleichbare Grundsätze und Handlungsmöglichkeiten auch für verschiedene Formen von Rassismus, Sexismus und Frauenfeindlichkeit sowie Homo- und Transfeindlichkeit zu erarbeiten.
Dieses Projekt ist als Reaktion nicht nur auf die Bedarfe der von Antisemitismus Betroffenen zu verstehen, sondern auch auf jene der Bildungsverwaltung und der an Schulen tätigen Pädagog:innen. Antisemitische Äußerungen und Übergriffe stellen per se kein Versagen der Schule dar, sondern eine Herausforderung, die auch Chancen für die gemeinsame Aufarbeitung und die Schaffung von Lernsituationen für selbstreflexive und diskriminierungskritische Bildung bieten kann. Eine durchdachte Strategie im Umgang mit Antisemitismus ist dementsprechend unabdingbar, wenn Schulen ihren Auftrag gemäß der im B-VG festgelegten Grundwerte der Demokratie, Humanität und Solidarität, des Friedens und der Gerechtigkeit sowie Offenheit und Toleranz gegenüber den Menschen erfüllen wollen.

Die Empfehlungen basieren auf den Ergebnissen eines multi-methodischen Forschungsprojekts unter Leitung des
IKF Wien
Vorab sind zwei Rahmenbedingungen zu nennen, die für die Bearbeitung von Antisemitismus im Kontext Schule besonders relevant sind: Erstens lassen sich Diskriminierungen und Erfahrungen von Ungleichheit nicht isoliert voneinander bearbeiten (und dürfen schon gar nicht hierarchisiert oder gegeneinander ausgespielt werden). Diskriminierung wirkt intersektional – das heißt, Menschen erfahren Benachteiligung nicht nur aufgrund einer einzelnen Identitätskategorie, sondern durch das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen. Geschlecht, Herkunft, Behinderung oder andere Merkmale überschneiden sich und verstärken sich in ihren Auswirkungen. Eine intersektionale Perspektive hilft, diese Erfahrungen sichtbar zu machen und angemessen darauf zu reagieren.
Das bedeutet konkret, dass die Bekämpfung von Antisemitismus auf die Anerkennung unterschiedlicher Diskriminierungserfahrungen, insbesondere von Rassismuserfahrungen, durch die Institution Schule und die einzelnen Lehrenden angewiesen ist. Zweitens stellen jüdische Schüler:innen an österreichischen Schulen eine (sehr) kleine und auch deshalb besonders vulnerable Minderheit dar.
An dieser Stelle müssen zudem einige Einschränkungen und Leerstellen benannt werden: Die hier vorgestellten Strategien und Handlungsmöglichkeiten konzentrieren sich auf die Intervention bei konkreten antisemitischen Vorfällen und können daher den breiten Bereich der Prävention und antisemitismuskritischen Bildung nur streifen. Ganz lassen sich die beiden Bereiche allerdings nicht trennen: Interventionen gegen antisemitische Äußerungen und Handlungen können sich nicht darauf beschränken, dieses Verhalten zu sanktionieren, sondern müssen auch die kritische Auseinandersetzung mit Funktion und Wirkung des Antisemitismus umfassen, wenn sie nachhaltig wirken sollen.

Beachte die weiterführenden Informationen und Links zu Beratungsangeboten sowie Angebote für antisemitismuskritische Bildung
Zu kurz kommt in diesem Kontext auch ein wesentlicher und sehr komplexer Themenbereich, nämlich die Kritische Medienbildung (v.a. in Bezug auf Social Media), die Schüler:innen über Argumentations- und Emotionalisierungsstrategien in Verbindung mit diskriminierenden und menschenfeindlichen Inhalten aufklären will. Da in der Lebenswelt der Schüler:innen online- und offline-Welten untrennbar verbunden sind, sind antisemitische Aussagen oder Übergriffe in Chats (z.B. WhatsApp) oder Social Media Plattformen (z.B. Instagram, TikTok) ebenso ernst zu nehmen, wie im physischen Raum Schule und sind nicht grundsätzlich anders zu behandeln.
Die hier vorgestellten Strategien basieren auf Erkenntnissen aus einem empirischen Forschungsprojekt mit spezifischem Fokus. Es ist darauf hinzuweisen, dass sie sich sowohl in Bezug auf die mögliche Betroffenheit von Antisemitismus wie auch in Bezug auf Verursacher:innen nur auf Schüler:innen beziehen. Erfahrungen und Perspektiven jüdischer Lehrpersonen stellen damit ebenso eine Leerstelle dar, wie der Umgang mit Antisemitismus innerhalb des Kollegiums. Auch wenn sich manche der im Folgenden behandelten Strategien und Handlungsformen übertragen lassen, bedürfte es auf Grund der unterschiedlichen institutionellen Position hier anderer Herangehensweisen, die im vorliegenden Rahmen nicht adäquat hätten behandelt werden können.

Antisemitismus
Formen und zentrale Problemstellungen

Interventionen
Interventionen gegen Antisemitismus

Weiterführendes
Links und Literaturempfehlungen